Was ist ein Rechenzentrum?
Rechenzentren sind Anlagen, in denen zahlreiche Computer arbeiten, die als Server bezeichnet werden. Sie speichern und verarbeiten enorme Datenmengen. Aufwendige Kühlsysteme sorgen dafür, dass die Technik dabei nicht überhitzt. Rechenzentren bilden die technische Basis für das Internet, Cloud-Angebote, Streamingdienste und Künstliche Intelligenz. Sobald wir online eine Nachricht verschicken, ein Video ansehen oder generative KI verwenden, nehmen wir die Leistungen solcher Anlagen in Anspruch.
Welche verschiedenen Typen von Rechenzentren gibt es?
Rechenzentren unterscheiden sich zunächst danach, wer sie betreibt und nutzt.
Hyperscale-Rechenzentren sind besonders große Anlagen. Unternehmen wie Google, Microsoft oder Amazon betreiben dort Teile ihrer weltweiten Cloud-Infrastruktur. Die zahlreichen Server arbeiten als ein gemeinsames System. Einzelne Rechenvorgänge können daher meist keinem bestimmten Gerät zugeordnet werden.
Colocation-Rechenzentren vermieten Flächen sowie technische Infrastruktur an unterschiedliche Unternehmen, die dort eigene Server betreiben. Die Grenzen zu Hyperscale-Rechenzentren sind fließend, da auch große Cloud-Anbieter solche Kapazitäten anmieten können.
Unternehmensrechenzentren werden von einzelnen Unternehmen, Behörden oder Hochschulen für deren eigene Aufgaben genutzt.
Rechenzentren können außerdem danach unterschieden werden, welche Daten sie verarbeiten und welche Anwendungen dort laufen. Eine solche Einordnung ist allerdings nur eingeschränkt möglich, weil die Betreiber die konkrete Nutzung meist nicht öffentlich machen.
Das gilt besonders für sogenannte KI-Rechenzentren. Gemeint sind damit in der Regel besonders leistungsfähige Anlagen, deren Technik etwa für das Training von KI-Modellen geeignet ist. Dieselbe Infrastruktur kann jedoch auch für andere anspruchsvolle Berechnungen genutzt werden. In Deutschland gibt es bislang keine Mega-Rechenzentren, die ausschließlich dem Training von KI dienen. Bereits trainierte KI-Modelle können dagegen auch in herkömmlichen Rechenzentren eingesetzt werden. Dieser wachsende Bedarf trägt dazu bei, dass bestehende Anlagen erweitert und neue Rechenzentren geplant werden.
Was sind Hyperscaler?
Der Begriff beschreibt ursprünglich IT-Systeme, deren Rechenleistung im laufenden Betrieb flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden kann. Daten und Rechenvorgänge sind dabei nicht an einen bestimmten Server gebunden. Das gesamte Rechenzentrum oder sogar ein Netzwerk aus mehreren Standorten arbeitet als gemeinsames System.
Inzwischen werden sowohl die Betreiber solcher Cloud-Systeme als auch ihre besonders großen Rechenzentren als Hyperscaler bezeichnet. Zu den führenden Anbietern gehören Google, Microsoft und Amazon Web Services. Sie stellen weltweit einen erheblichen Teil der verfügbaren Cloud-Kapazitäten. Auch viele KI-Anwendungen laufen auf ihrer Infrastruktur.
Die Unternehmen betreiben jedoch nicht alle benötigten Rechenzentren selbst. Häufig mieten sie Flächen oder Serverkapazitäten an. Teilweise nutzen sie komplette Anlagen anderer Betreiber. Ihr Anteil am gegenwärtigen Ausbau ist deshalb größer, als es anhand bekannter Projekte vermuten lässt. Verlässliche Angaben zu den tatsächlichen Nutzern und den angemieteten Kapazitäten fehlen jedoch häufig.
Warum führt Künstliche Intelligenz zu einem Boom neuer Rechenzentren?
Generative KI verändert die Anforderungen an Rechenzentren grundlegend. Chatbots und Programme zur Erzeugung von Bildern oder Videos benötigen besonders leistungsfähige Chips. Beim Training großer KI-Modelle werden enorme Datenmengen verarbeitet.
Jede Anfrage an einen Chatbot und jedes erzeugte Bild löst neue Rechenvorgänge aus. Mit steigenden Nutzerzahlen wächst deshalb die benötigte Rechenleistung.
Technologiekonzerne bauen ihre Rechenzentrumskapazitäten daher weltweit aus. Die Anlagen werden größer und benötigen leistungsfähigere Stromanschlüsse. Je nach Kühlsystem kann zudem der Wasserbedarf erheblich sein.
Warum verbrauchen Rechenzentren so viel Strom?
In Rechenzentren arbeiten Tausende Server gleichzeitig. Sie speichern Daten, verarbeiten Suchanfragen und ermöglichen die Nutzung von Streamingangeboten, Cloud-Diensten und KI-Anwendungen. Viele Anlagen sind rund um die Uhr in Betrieb. Die Server benötigen auch dann kontinuierlich Energie, wenn sie nicht vollständig ausgelastet sind.
Ein erheblicher Teil des Stroms wird direkt von den Prozessoren und Speichersystemen verbraucht. Besonders leistungsfähige Spezialchips für künstliche Intelligenz haben einen hohen Energiebedarf.
Die Server erzeugen dabei viel Wärme. Damit die Technik zuverlässig arbeitet und nicht überhitzt, muss diese Wärme abgeführt werden. Dafür kommen Lüftungsanlagen oder flüssigkeitsbasierte Kühlsysteme zum Einsatz. Die Kühlung benötigt zusätzlich Strom und kann abhängig von der eingesetzten Technik auch erhebliche Mengen Wasser verbrauchen.
Weitere Energie wird für die technische Infrastruktur des Gebäudes benötigt. Dazu gehören die Verteilung und Umwandlung des Stroms sowie die Netzwerktechnik. Auch Beleuchtung, Überwachung und Sicherheitssysteme müssen versorgt werden.
Rechenzentren müssen jederzeit zuverlässig funktionieren. Deshalb verfügen sie meist über mehrfach abgesicherte Stromanschlüsse und Notstromsysteme. Batterien überbrücken kurzfristige Ausfälle. Bei längeren Unterbrechungen übernehmen häufig Dieselgeneratoren die Versorgung. Auch die ständige Betriebsbereitschaft dieser Systeme benötigt Energie.
Der Verbrauch hängt stark von der Größe und Auslastung einer Anlage ab. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Art der Kühlung und die Effizienz der verbauten Technik. Große Rechenzentren können einen Strombedarf erreichen, der mit dem Verbrauch einer Stadt vergleichbar ist. Für Kommunen ist deshalb entscheidend, wie viel Strom ein geplantes Rechenzentrum benötigt, ob das Stromnetz dafür ausgebaut werden muss und ob die entstehende Abwärme vor Ort genutzt werden kann.
Warum benötigen Rechenzentren Wasser?
Server erzeugen beim Betrieb große Mengen Wärme. Diese Wärme muss kontinuierlich abgeführt werden, damit die Technik zuverlässig arbeitet. Viele Rechenzentren nutzen dafür Kühlsysteme, in denen eine Kühlflüssigkeit - z. B. Wasser - die Wärme aufnimmt und aus dem Gebäude transportiert.
Der tatsächliche Wasserbedarf hängt von der eingesetzten Kühltechnik, der Größe des Rechenzentrums und seiner Auslastung sowie von den klimatischen Bedingungen am Standort ab. Rechenzentren können grundsätzlich mit geschlossenen Kühlkreisläufen betrieben werden und so den Verbrauch von Wasser minimieren. Auch Luftkühlung kommt teilweise ohne einen dauerhaften Wasserverbrauch aus, benötigt jedoch mehr Strom und kommt vor allen bei den größeren Anlagen schnell an seine Grenzen. Einige Betreiber setzen auf aufbereitetes Abwasser oder andere Wasserquellen, um das Trinkwasser zu schonen.
Ein Teil der Anlagen arbeitet mit sogenannten Verdunstungskühlern. Dabei verdunstet Wasser und gibt die aufgenommene Wärme an die Umgebung ab. Das ist zwar eine sehr effektive Art der Kühlung, allerdings wird dabei sehr viel Wasser verbraucht: Dieses Wasser steht anschließend nicht mehr vor Ort zur Verfügung. An heißen Tagen steigt der Kühlbedarf. Gleichzeitig sind Flüsse und Grundwasservorkommen gerade in diesen Zeiten häufig besonders belastet.
Neben dem direkten Wasserverbrauch der Anlage, benötigt auch die Produktion der notwendigen Chips sehr viel Wasser und gegebenenfalls auch die Stromproduktion (insbesondere aus fossilen Quellen).
Der gesamte Wasserfußabdruck eines Rechenzentrums ist deshalb größer als die vor Ort entnommene Menge.
Was passiert gerade in Deutschland und was ist die Strategie der Bundesregierung?
In Deutschland entstehen immer mehr und zunehmend größere Rechenzentren. Die Bundesregierung hat im März 2026 eine nationale Rechenzentrumsstrategie beschlossen. Bis 2030 soll sich die gesamte Anschlussleistung der Rechenzentren gegenüber 2025 mindestens verdoppeln. Die Kapazitäten für Hochleistungsrechner und künstliche Intelligenz sollen mindestens vervierfacht werden. Deutschland soll dadurch als Standort attraktiver und digital unabhängiger werden.
Dafür will der Bund Genehmigungen beschleunigen und geeignete Flächen verfügbar machen. Bereits genutzte oder versiegelte Flächen sollen bevorzugt werden. Gleichzeitig sollen Stromnetze ausgebaut und bessere Bedingungen für Investitionen geschaffen werden. Die Strategie nennt Energieeffizienz und eine sparsame Kühlung als wichtige Ziele. Auch die Nutzung von Abwärme spielt eine Rolle.
Parallel dazu will die Bundesregierung das Energieeffizienzgesetz ändern. Der im Juni 2026 vom Kabinett beschlossene Entwurf sieht Erleichterungen für Rechenzentren vor. Die Fristen für bestimmte Effizienzvorgaben sollen verlängert werden. Die Pflicht zur vollständigen bilanziellen Versorgung mit erneuerbarem Strom soll erst ab 2030 gelten. Anforderungen an die Abwärmenutzung sollen ebenfalls gelockert werden.
Was bedeutet PUE – Power Usage Effectiveness
PUE steht für „Power Usage Effectiveness“. Die Kennzahl beschreibt, wie energieeffizient die technische Infrastruktur eines Rechenzentrums arbeitet. Dafür wird der gesamte Energieverbrauch der Anlage mit dem Energieverbrauch der eigentlichen IT-Technik verglichen.
Formel: PUE = Gesamtenergieverbrauch des Rechenzentrums ÷ Energieverbrauch der IT-Systeme
Ein PUE-Wert von 1,2 bedeutet beispielsweise: Für jede Kilowattstunde, die Server und andere IT-Systeme verbrauchen, kommen 0,2 Kilowattstunden für Kühlung und weitere Gebäudetechnik hinzu.
Der theoretisch beste Wert liegt bei 1,0. Dann würde die gesamte Energie ausschließlich von der IT-Technik genutzt. In der Praxis ist dieser Wert nicht erreichbar. Moderne Rechenzentren können Werte zwischen etwa 1,1 und 1,5 erzielen. Ältere oder weniger effiziente Anlagen liegen häufig darüber.
Ein niedriger PUE-Wert weist auf eine effiziente Infrastruktur hin. Er sagt jedoch nichts darüber aus, wie sinnvoll oder intensiv die Server genutzt werden. Wenn die Abwärme weiterverwendet wird, sind im Allgemeinen Anlagen notwendig, die ebenfalls Strom verbrauchen. Dies führt also zu einem höheren PUE, muss aber nicht bedeuten, dass der Betrieb ineffizient ist. Die Herkunft des Stroms und der Wasserverbrauch spielen keine Rolle.
Was bedeutet WUE – Water Usage Effectiveness
WUE steht für „Water Usage Effectiveness“. Die Kennzahl beschreibt, wie viel Wasser ein Rechenzentrum im Verhältnis zum Stromverbrauch seiner IT-Systeme benötigt.
Formel: WUE = Wasserverbrauch in Litern ÷ Energieverbrauch der IT-Systeme in Kilowattstunden
Das Ergebnis wird üblicherweise in Litern pro Kilowattstunde angegeben. Ein WUE-Wert von 0,5 bedeutet, dass für jede von der IT verbrauchte Kilowattstunde ein halber Liter Wasser eingesetzt wird.
Ein niedriger Wert steht für einen geringeren Wasserverbrauch am Standort. Der bestmögliche Wert ist 0,0. Diesen erreichen Anlagen, die im laufenden Betrieb kein Wasser verbrauchen.
Die Kennzahl ist besonders bei Rechenzentren mit Verdunstungskühlung wichtig. Üblicherweise erfasst sie nur das direkt am Standort verbrauchte Wasser. Wasser, das bei der Stromerzeugung oder bei der Herstellung der Technik benötigt wird, bleibt meist unberücksichtigt. Die WUE gibt außerdem keinen Aufschluss darüber, aus welcher Quelle das Wasser stammt und ob die Entnahme in einer wasserarmen Region erfolgt.
Wie sollen Kommunen künftig von der Gewerbesteuer profitieren?
Rechenzentren benötigen große Flächen und leistungsfähige Stromanschlüsse. Im laufenden Betrieb entstehen jedoch vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Das wirkt sich bislang auf die Verteilung der Gewerbesteuer aus. Bei Unternehmen mit mehreren Betriebsstätten richtet sie sich vor allem nach den dort gezahlten Arbeitslöhnen.
Die Bundesregierung will diese Regelung ändern. Der im September 2026 vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf sieht einen eigenen Verteilungsmaßstab für Rechenzentren vor. Die Arbeitslöhne sollen künftig nur noch 10 Prozent der Berechnungsgrundlage ausmachen. Die übrigen 90 Prozent sollen sich nach der elektrischen Anschlussleistung der jeweiligen Standorte richten.
Ein kritischer Punkt ist das Wort „ausschließlich“. Der neue Verteilungsmaßstab soll laut Gesetzentwurf nur für Betriebe gelten, die ausschließlich Rechenzentren betreiben. Unternehmen mit zusätzlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten innerhalb desselben Gewerbebetriebs könnten damit von der Neuregelung ausgeschlossen sein. Die Gesetzesbegründung erläutert bislang nicht, wie weit diese Einschränkung reicht.
Die Formulierung birgt damit ein mögliches Schlupfloch. Betreiber könnten ihre Unternehmensstruktur so gestalten, dass sie nicht als ausschließlicher Rechenzentrumsbetrieb gelten. In diesem Fall würde die Gewerbesteuer weiterhin überwiegend nach den Arbeitslöhnen verteilt. Das könnte dem eigentlichen Ziel der Reform widersprechen.
Das Gesetz ist noch nicht abschließend beschlossen. Bundestag und Bundesrat müssen der Änderung zustimmen. Im parlamentarischen Verfahren können sowohl der Anwendungsbereich als auch die Berechnungsregeln noch verändert werden.
Welche Aufgaben kommen bei einem geplanten Rechenzentrum auf eine Kommune zu?
Die Kommune muss zunächst prüfen, ob der vorgesehene Standort für ein Rechenzentrum geeignet ist. Besteht noch kein entsprechendes Baurecht, kann die Gemeinde den Flächennutzungsplan ändern oder einen Bebauungsplan aufstellen. Die kommunale Vertretung entscheidet dabei über die städtebaulichen Rahmenbedingungen. Die Öffentlichkeit muss an diesem Verfahren beteiligt werden. Ein Anspruch des Investors auf die Aufstellung eines Bebauungsplans besteht nicht.
Vor einer Entscheidung sollte die Kommune belastbare Angaben zum geplanten Ausbau verlangen. Dazu gehören die benötigte Fläche und die vorgesehene Anschlussleistung. Auch der erwartete Wasserbedarf und das Kühlungskonzept müssen bekannt sein. Wichtig ist zudem, ob das Rechenzentrum schrittweise erweitert werden soll.
Zusätzliche Anforderungen können sich für Straßen und andere kommunale Einrichtungen ergeben. Die Kommune sollte deshalb frühzeitig klären, welche Erschließungsmaßnahmen notwendig sind und wer die Kosten übernimmt. In einem städtebaulichen Vertrag können dem Investor bestimmte Planungs- und Erschließungskosten übertragen werden.
Eine weitere Aufgabe ist die Prüfung, ob die entstehende Abwärme vor Ort genutzt werden kann. Dafür muss geklärt werden, ob geeignete Abnehmer in der Umgebung vorhanden sind und ob ein Wärmenetz aufgebaut werden kann. Die Erkenntnisse sollten in die kommunale Wärmeplanung einfließen.
Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen müssen realistisch bewertet werden. Die Kommune sollte sich nicht allein auf angekündigte Investitionssummen oder Arbeitsplätze verlassen. Entscheidend sind die Zahl der dauerhaften Stellen und die erwartbaren Gewerbesteuereinnahmen. Ebenso wichtig ist die Frage, welches Unternehmen das Rechenzentrum betreibt und wo seine Gewinne versteuert werden.
Für die wasserrechtliche Erlaubnis und den Netzanschluss ist die Gemeinde nicht selbst zuständig. Darüber entscheidet die zuständige Wasserbehörde bzw. der Netzbetreiber. Die Kommune sollte diese Verfahren begleiten und darauf achten, dass die Auswirkungen auch benachbarter Industrieanlagen auf den Standort gemeinsam betrachtet werden.
Wie aktuell sind die Informationen auf der Karte?
Die Angaben wurden in den vergangenen Monaten aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen. Dazu gehören Medienberichte und Informationen von Initiativen vor Ort. Sie entsprechen dem Stand von September 2026 und werden fortlaufend aktualisiert.
Viele Unternehmen informieren jedoch nur eingeschränkt über geplante Rechenzentren. Deshalb kann die Karte keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Gewähr übernommen. Die zusammengetragenen Informationen liefern dennoch wichtige Hinweise auf den Umfang und die Entwicklung geplanter Rechenzentren in Brandenburg.